20. Mitgliedervisite der Gesundheitsregion Münster e.V.
Am Montag, den 23. März 2015, lud die Gesundheitsregion Münster Mitglieder und Interessierte zur 20. Mitgliedervisite ein. Dieses Mal war der Verein zu Gast im Transplantationszentrum des Universitätsklinikum Münster. Die Oberärzte Dr. Christian Wilms und Dr. Hauke Heinzow des UKM gaben, stellvertretend für Prof. Dr. Hartmut Schmidt, einen Einblick in die Transplantationsmedizin und Organspende und deren Chancen und Risiken. Klare Töne wurden gesprochen – denn der Organspendermangel ist größer denn je.
Der Gastgeber Prof. Dr. Norbert Roeder, Direktor des UKM, begrüßte alle Anwesenden herzlich und gab zunächst einen allgemeinen Einblick in die Transplantationsmedizin am UKM, die in diesem Jahr auf stolze 25 Jahre Organtransplantation zurückblicken kann. Dr. Roeder wies auf die interdisziplinäre Arbeitsstruktur des Transplantationszentrums des UKMs hin und betonte deren Wichtigkeit. Außerdem bedauert er den Rückgang der Organspender, was nicht zuletzt mit den zahlreichen, medial aufgeheizten, Vorwürfen an die Organtransplantation zu tun habe, auch wenn diese sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Er appellierte an die Mitglieder, sich für den Organspenderausweis zu entscheiden, welcher die Möglichkeit bietet, frei zu wählen, welche Organe man spendet.
Im weiteren Verlauf erläuterte Dr. Wilms die Abläufe im Transplantationszentrum und stellte die Erfolgsgeschichte der Organtransplantation anhand der Lebertransplantation dar, die ihren Anfang 1969 in Deutschland hatte. Ein Fallbeispiel einer erfolgreichen Transplantation einer 23-jährigen Studentin aus dem letzten Jahr am UKM sollte den Gästen die Wertschätzung und Wichtigkeit der Organspende verdeutlichen und Mut machen, selbst Spender zu werden. Dr. Wilms stellte außerdem die Kriterien dar, die ein Patient erfüllen muss, um auf die Warteliste für ein Spenderorgan aufgenommen zu werden.
Dr. Heinzow ging im Anschluss auf die Hirntoddiagnostik ein, die Voraussetzung für eine Organspende ist und erklärte mit welchen Methoden und Tests man einen Hirntod feststellt. Erst nach einer klaren Diagnose von zwei unabhängigen Ärzten dürfen die entsprechenden Organe entnommen werden. Die Wahrung der Würde des Verstorbenen stellte er in diesem Zusammenhang als einen abschließend sehr wichtigen Aspekt dar. „Organspende lohnt sich“, doch um den notwendigen Zuwachs an Spendern zu gewinnen, bedarf es einer Überarbeitung der Richtlinien, die Vertrauen und Transparenz schaffen muss.
Abschließend übergab Gastgeber Prof. Dr. Roeder das Wort an Dieter Kemmerling, Mitbegründer der Initiative „no panic for organic“, in der Musiker positiv auf das Thema Organspende aufmerksam machen wollen – denn „Transplantation braucht uns Menschen“, so Herr Kemmerling. Drei Menschen in Deutschland sterben pro Tag, weil Sie kein Spenderorgan erhalten. Kemmerling sieht das zu geringe Interesse in der Bevölkerung darin begründet, dass man sich als gesunder Mensch nicht vorstellt, selbst einmal auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein. Kemmerling geht jetzt aber noch einen Schritt weiter und stellt die provokante Frage: Sollte es nicht so sein, dass, wer nicht spendet, auch kein Recht auf ein Spenderorgan hat?
Dieter Kemmerling war jedoch nicht allein gekommen, sondern hatte einen seiner Musiker Kollegen der Band „The Dandys“ dabei, welche als Botschafter der Initiative „no panic for organic“ gekonnt den Ton treffen. Vor einem Get-Togehter mit kleinem Imbiss und Getränken gab die Band eine Kostprobe und konnte die Gäste bei dem Klassiker „Country Roads“ zum Mitsingen animieren.
Vereinsvorstand Dr. Karl-Heinz Schnieder, der sich selbstverständlich als Besitzer eines Organspenderausweises outete, bedankte sich bei dem Gastgeber für das spannende und wichtige Thema und wies auf die nächsten Termine der Gesundheitsregion Münster hin – Die nächste Mitgliedervisite findet am 18. Mai in der Klinik für Schlafmedizin des UKM statt, anschließend folgt das Sommerfest im Pasta e Basta am 21. August. Zum Ende des Jahres folgen dann noch die Mitgliedervisite am 22. September in der Nationalbank zum Thema Medizin und Vermögen, als auch eine Mitgliedervisite am 9. November in der Abteilung Allgemein- und Visceralchirurgie des St. Franziskus-Hospitals.
Der Abend klang mit genügend Gesprächsstoff zum Thema Organspende aus. Wer wollte, konnte sich direkt seinen persönlichen Organspenderweis mit nach Hause nehmen. Zum Nachdenken hat es sicherlich jeden bewegt.