Am Dienstag, den 5. März, am ersten Sonnentag nach gefühlt einem halben Jahr, lud der Verein Gesundheitsregion Münster Mitglieder und Interessierte zur 15. Mitgliedervisite ein. Das Institut für Pathologie im Medical Center am Clemenshospital informierte über seine vielfältige und spannende Arbeit.
Prof. Dr. Horst Rieger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins, begrüßte die über 75 Gäste, Mediziner aller Fachrichtungen und Vertreter gesundheitsnaher Dienstleistungen, und versprach spannende Einblicke in die Berufe der Pathologie und Rechtsmedizin.
Prof. Dr. Kuhnen, zusammen mit Prof. Dr. Schmidt und Prof. Dr. Kasper Leiter des Instituts, machte sogleich den Unterschied deutlich zwischen Pathologie und Rechtsmedizin und verwies auf die oftmals durch die bekannten Fernsehserien fälschliche Anwendung der beiden Begriffe. „Das kommt vor allem durch die fälschliche Synchronisation aus den verschiedenen CSI-Formaten, wo der „forensic pathologist“ in Deutsch als Pathologe übersetzt wird, was falsch ist", ließ Prof. Dr. Kuhnen die Zuhörer wissen.
Pathologen befassen sich heute zu 95% mit den Lebenden, während sie sich vor Jahrzehnten noch zum größten Teil mit der Obduktion von Leichen befassten. Die Pathologie hat im Gegensatz zur Labormedizin sehr viele manuelle Arbeitsschritte. Wobei die Arbeit am Mikroskop die Haupttätigkeit des Pathologen ist. Der pathologische Befund gibt dem behandelnden Arzt die Grundlage, welche Therapie zu wählen ist. Prof. Dr. Kuhnen brachte es auf den Punkt: „Der Pathologe ist der Lotse der Therapie“.
Die zweite Vortragende an diesem hochinteressanten und kurzweiligen Abend war Univ.-Prof. Dr. med. Heidi Pfeiffer, Direktorin des rechtsmedizinischen Instituts der Universitätsklinik Münster, die in ihrem Vortrag einen eindrucksvollen Einblick in die Rechtsmedizin und ihre Aufgabenfelder gab. Diese sind: Morphologie, DNA und Toxikologie. „Anders als im Münster-Tatort arbeiten wir nicht nur mit zwei, sondern 37 Menschen in diesen drei Bereichen,“ betonte Prof. Dr. Pfeiffer mit einem Augenzwinkern.
Wie auch das Institut für Pathologie arbeitet das rechtsmedizinische Institut überregional. In der Morphologie befasst man sich mit Täter- und Tatortuntersuchung, aber auch mit der Suche nach krankhaften Befunden bei nicht geklärten Todesfällen. Es werden außerdem rechtsmedizinische Untersuchungen an Lebenden durchgeführt z.B. zur Überprüfung von häuslicher Gewalt.
„Bei der DNA-Analyse“, berichtete Prof. Dr. Pfeiffer, „gibt es immer wieder spektakuläre Fälle.“ So wurde im Institut die Frage beantwortet, ob Kaiser Wilhelm II. eine außereheliche Tochter hatte, indem man deren Gebeine mit einem Zahn des Kaisers aus dem Museum von Schloss Doorn in den Niederlanden verglich.
In der Toxikologie geht es um die Prüfung von z.B. Schuldfähigkeit oder Fahrtüchtigkeit; Alkohol und Drogen sind die typischen Substanzen, nach denen gesucht wird.
Abschließend stellte Prof. Dr. Pfeiffer den Besuchern die Gewaltopferambulanz vor, die Anlaufstelle für betroffene Privatpersonen ist, wo dies sich z.B. Gewaltanwendungen dokumentieren lassen können. Eine Leistung, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, weshalb die Gewaltopferambulanz auf Spenden angewiesen ist.
Die Vorträge regten zur vielfachen Nachfrage an. So vertritt Prof. Dr. Pfeiffer z.B. die Meinung, dass man tatsächlich jedes Tötungsdelikt rechtsmedizinisch aufklären kann – wobei sie jedoch betonte, dass damit nicht automatisch der Täter gefasst würde. Auf eine weitere Frage, gab sie die beunruhigende Einschätzung, dass sie von einer hohen Dunkelziffer ausgeht für Todesfälle, die als natürliche deklariert sind, die aber eigentlich Mord waren.
Nach den Vorträgen und der Fragerunde wurden die Teilnehme in zwei Gruppen geteilt und konnten die verschiedenen Tätigkeiten der Pathologen im Institut bei einem Rundgang und bei Vorführungen erleben.
Nicht schlecht staunten die Gäste als eine Mitarbeiterin demonstrierte wie sie 1µ dünne Schnitte der Präparate macht und berichtete: „Zehn bis zwanzig mal muss ich pro Tag die Klinge wechseln.“
Die neuen Eindrücke und Erkenntnisse wirkten auch beim gemeinsamen Buffet noch nach und sorgten für weiteren Gesprächsstoff. Ein gelungener, lehrreicher und spannender Abend.